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Nagel – was kostet die Welt

Wenn Musiker sich am Romane schreiben versuchen, geht das manchmal gut (Rocko Schamoni) oder auch nicht (Lemmy von Motörhead). Ob es im Fall von Nagel (ehemals Mitglied von Muff Potter) geklappt hat, kann ich mangels besseren Wissens noch nicht sagen. Fakt ist: Nach seinem ersten Buch “wo die wilden Maden graben” wagte er sich nochmal an den Stift (oder vielleicht auch das Notebook) und veröffentlichte Ende letzten Jahres die nüchterne Liebeserzählung “Was kostet die Welt“.
Wer ein guter Geschäftsmann, Kreativkopf und Musiker sein will, dem ist das noch längst nicht genug: So erschien in 2010 ebenso das passende gleichnamige Konzeptalbum, halb Hörspiel, halb musikalische Interpretation des Romans. Die Geschichte in Kurzform:

“Als sein Vater stirbt, nimmt der Taugenichts Meise das unerwartete Erbe und begibt sich auf Reisen. Die Devise: Ausgeben statt horten. Er hat sich geschworen, alles anders zu machen als sein Vater. Doch zurück in Berlin findet er nicht mehr in sein altes Großstadtleben zurück.
Von dem verbliebenen Geld unternimmt Meise eine letzte Reise: in die tiefste westdeutsche Provinz – auf ein Weingut im Moseltal. Dort erwartet ihn ein Kulturschock sondergleichen, auf den er nicht vorbereitet ist. Und er muss sich ein paar unbequemen Fragen stellen, die sich nicht mehr beiseite schieben lassen. Wie will ich (nicht) leben, wie will ich (nicht) arbeiten, welche Beziehungen will ich (nicht) führen? Auf dem dörflichen Großereignis des Sommers, dem Weinfest, kommt es schließlich zum großen Showdown..:”


“Was kostet die Welt”, erschienen als Vinyl oder Download, besteht aus 5 Stücken. 4 davon sind Auszüge des Romans mit musikalischer Unterlegung. Zum Abschluss bietet Nagel dem Hörer eine akustische Coverversion des New Order-Klassikers “Bizarre Love Triangle
Und das ganze macht Spaß. Wer Mario Barth scheisse findet und sich dennoch manchmal nicht vor geschlechtsspezifischen Eigenheiten und deren Komik verwehren kann, wird “Was kostet die Welt” lieben – und mehrmals laut lachen. Und diejenigen, die “gerne mal n gutes Buch lesen”, finden Nagel’s melancholischen Schreib- und Erzählstil sicherlich auch toll. Zu oft wird man sich das Album wohl nicht zu Gemüte führen, dafür ist es zu schwere Kost. Aber die ein oder zwei Male wird man hochgradig genießen.

Die Indie-Blogger vergeben seufzend: 8/10 Punkten.

Ein Gedanke zu „Nagel – was kostet die Welt“

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