David Schumann – The Tokyo Diaries

David Schumann - Tokyo Diaries

Eine Buchrezension bei den Indie-Bloggern? Oh ja. Warum auch nicht. Kurz vor meinem Portugal-Urlaub stand ich in der Münchner Thalia-Buchhandlung und habe verzweifelt nach einem Buch gesucht, das mich über den Urlaub hinweg begleiten sollte. Hängen geblieben bin ich bei den “Taschenbuch Neuerscheiungen” bei einem Buch von David Schumann mit dem Titel “The Tokyo Diaries“.

Das erste mal hatte ich von David Schumann in einem Spiegel Artikel gelesen – in dem es um seine Geschichte ging wie er als deutscher Student in Japan ein bekanntes Model wurde. In “The Tokyo Diaries” erzählt Schumann nun seine ganze Geschichte. Von japanischen Liebschaften, von Alkoholexzessen als auch dem Modeln. Außerdem ist Schumann bekennender Punkrocker und spielte selbst in Japan parallel in zwei Bands. Das war mir neu ;-).

Selten habe ich mit einem Buch derart viel gelacht. Was Schumann hier abliefert ist authentisch, humorvoll und mitreißend. Jede Stimmungsschwankung und jedes Erlebnis ist 100% nachvollziehbar – dabei war ich noch nie in Japan.

Und da David auch im Web 2.0 vertreten ist ( @thetokyodiaries ) haben wir ihn uns gleich für ein kurzes Interview geschnappt:


Indie-Blogger: Wie kamst du auf die Idee ein Buch über deinen Aufenthalt in Japan zu schreiben? Hast du ohnehin täglich Tagebuch geführt?

David Schumann: Dieses Tagebuchprojekt hatte ich in der Tat schon vor Japan angefangen, da ich mir gedacht habe, dass ich bestimmt so viel interessantes Zeug erleben würde, dass es sich lohnen würde eben dieses schriftlich festzuhalten. Die ersten Einträge waren dann auch eher eine Mischung aus Briefen an meine Freunde und Kolumnen für das OX-Fanzine, die meine ersten Tagebuchseiten veröffentlich haben. In Buchform habe ich das Ganze aber erst später gebracht, als ich zwischenzeitlich wieder in Deutschland war. Ich hatte ja insgesamt über 1000 Seiten geschrieben, aus denen habe ich dann die 350 repräsentativsten ausgewählt und redigiert. Irgendwann bin ich dann auch noch mal nach Tokio geflogen, habe mir da für einen Monat ein Zimmer genommen und jeden Tag 8 Stunden daran gearbeitet. War also ein langer Weg bis zur Fertigstellung.

Indie-Blogger: Wir sind eigentlich ein Musik-Blog – du spielst in verschiedenen Bands – willst du uns deine Bands kurz vorstellen?

David Schumann: Ich habe in der Tat in vielen Bands gespielt, im Moment spiele ich allerdings nur in einer: Lyon Estates. Das sind außer mir Leute von Fire In The Attic und Days In Grief, die es ja beide nicht mehr gibt. Musikalisch geht das Ganze allerdings in eine andere Richtung. Teilweise finde ich unsere Songs recht punkig, obwohl sie meistens sehr melodisch sind. Man kann aber auch bei den poppigsten Stellen hören, dass wir alle aus der Hardcore-Szene kommen.
Vorher war ich bei Insurrection, das war Mitte der 90er meine erste Hardcore-Band. Wir hatten damals eine CD auf Lifeforce Records die musikalisch eher in die Black Metal Richtung ging, trotzdem aber ein lupenreines Vegan Straight Edge Album war.
1996 haben wir Insurrection dann aufgelöst und 365 Days In A Week gegründet, das war im Prinzip klassischer Mid90s Emo, bevor dieser Begriff zum Schimpfwort geworden ist. Der Emo dieser Zeit ist nach wie vor meine Lieblingsmusik, Bands wie Mineral, Sunny Day Real Estate und Get Up Kids zu ihrer Frühphase sind einfach unerreicht.

Indie-Blogger: Zu deinem Buch: Eine Frage die mich brennend interessiert – Du hast/hattest eine Freundin in Japan und legst jetzt in deinem Buch relativ offen deine Affären/Seitensprünge offen :D – hat Sie das Buch gelesen?

David Schumann: Nein, sie hat es nicht gelesen, weil sie kein Deutsch spricht. Wissen tut sie es aber natürlich trotzdem, auch damals schon. In Japan sehen viele Leute das Fremdgehen nicht so eng. Es ist zwar nicht akzeptiert, aber auch kein totales Tabuthema wie hier. Meine Exfreundin damals meinte zum Beispiel: „Solange ich nichts davon mitkriege: Mach ruhig“.

Indie-Blogger: Was ist dein derzeitiger Job?

David Schumann: Ich kann noch immer von den Buchverkäufen und Lesungen leben, schreibe aber auch gerade am nächsten Buch. Deswegen könnte man also sagen, mein Beruf sei „Schriftsteller“. Das wäre aber nur die halbe Wahrheit, da ich auch noch als Reporter/Autor bei 1LIVE, der jungen Welle des Westdeutschen Rundfunk, arbeite. Manchmal übersetze ich auch Deutsch/Japanisch oder arbeite als Dolmetscher.

Indie-Blogger: Ich nehme an du hast noch immer viele Freunde in Japan/Tokyo. Die Fukushima Katastrophe hat nicht nur das ganze Land, sondern für die ganze Welt erschüttert – wo warst du als es zu der Katastrophe kam und was waren deine ersten Gedanken/Reaktionen?

David Schumann: Ich war zuhause im Bett als das Unglück passiert ist. Mein Chefredakteur hat mich am Telefon geweckt und mich gefragt ob ich schon gehört hätte was passiert ist. Da ist erstmal kurz mein Herz stehengeblieben. Ich habe in den Tagen und Wochen darauf immer wieder für 1LIVE und den WDR darüber berichtet, habe Lesungen und Vorträge über das Thema gehalten, unter anderem bei Beckmann in der ARD. Hätte ich die ganze Arbeit nicht gehabt, die direkt nach der Katastrophe über mich eingestürzt ist, wäre ich in den ersten Wochen wohl vor Sorgen verrückt geworden. So konnte ich mich nützlich machen und etwas zum Verständnis der Situation in Japan beitragen. Was die Spätfolgen, gerade durch die Radioaktivität, angeht, befürchte ich allerdings, dass wir erst die Spitze des Eisbergs gesehen haben.

Die Indie-Blogger Bewertung:
8/10 Punkte!

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